SEO, Google Search und das BERT Update: Denn die Neugier des Menschen ist grenzenlos

Wie sich das größte Algorithmus Update der letzten 5 Jahre auf SEO auswirkt

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die SEO-Optimierung von Webinhalten durch wiederholte Google Updates immer wieder stark verändert. Mit BERT kann man wohl von einer neuen Ära sprechen, die für alle Informationsanbieter und deren Dienstleister im digitalen Umfeld anbricht. Denn die Suche nach Keywords war gestern und es beginnt das Zeitalter der Suchintention.

„Es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, wonach Sie suchen, und hilfreiche Informationen aus dem Internet zu finden, unabhängig davon, wie Sie die Wörter in Ihrer Suchanfrage buchstabieren oder kombinieren“  fasst Pandu Nayak in seinem Blogpost zu BERT den Sinn und Nutzen des Updates zusammen. (Quelle: https://blog.google/products/search/search-language-understanding-bert)

Nayak geht weiter sogar davon aus, dass Menschen bei ihren Suchmaschinenanfragen „häufig „Keywords“ verwenden, um Wortfolgen einzugeben, von denen sie denken, dass sie uns verständlich sind“.

BERT-Facts – Teil 1:

  • BERT ist als Nachfolge-Update von Hummingbird und Rank Brain das größte Algorithmus Update in den letzten 5 Jahren.
  • BERT steht für Bidirectional Encoder Representations from Transformers
  • BERT ist ein Algorithmus-Modell das auf neuronalen Netzwerken basiert.
  • BERT ist eine Reaktion auf das veränderte Suchverhalten der User – insbesondere durch Voice Search
  • BERT ist momentan nur auf google.com im Einsatz und noch nicht auf Google.de und anderen nationalen Angebote (Ausnahme: Featured Snippets)

Man kann also sagen, dass aus Sicht von Google die Menschen in den letzten Jahren versucht haben, die Sprache der Suchmaschine zu sprechen, um gute Suchergebnisse zu erzielen. Sie haben Begriffe und Keywords genutzt und diese so kombiniert, dass die gelieferten Suchergebnisse möglichst treffsicher den gesuchten Informationen entsprechen.

Für SEO bedeutete dies, dass mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Analysen (z.B. Suchvolumen und CTR von in der Vergangenheit genutzten Keywords) und Prognosen (z.B. künftig zu erwartender Keywordnutzung) versucht wurde, die Suchanfragen der Menschen vorherzusehen und die eigenen Webseiten so zu optimieren, dass Google diese als „passend für die Suchenden“ einstufte und möglichst hoch in den SERPs platzierte.

Perspektivenwechsel in der Suche: Der Mensch und seine natürlichen Verhaltensweisen rücken in den Vordergrund

Mit BERT ändert sich die Perspektive, und die Suchmaschine beginnt, die Sprache des Menschen zu verstehen. Um vorherzusehen, dass dies weitreichende Konsequenzen haben wird, muss man kein Hellseher sein.

Suchanfragen werden immer länger und es werden Antworten auf vollständige Fragestellungen erwartet.

Ermöglicht wird dies durch ein tiefgehendes Verständnis von auf neuronalen Netzen basierenden Verfahren für die Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP).

So befasste sich die Google-Forschung mit der komplexen Aufgabe, Wörter in Relation zueinander und nicht einzeln nacheinander verarbeiten. Erst dieses Verständnis für die kontextbasierte Bedeutung eines Wortes ermöglicht es, die tatsächlichen Absichten hinter einer Suchanfrage zu verstehen und entsprechend zu verarbeiten.

Google BERT Update in der DACH-Region

Das Google BERT Update wurde ab dem 21.10.2019 zunächst nur für US-englischsprachige Suchanfragen ausgerollt. BERT wirkt sich außerdem auf Featured Snippets in allen Märkten aus, in denen diese verfügbar sind.

Google plant die Ausweitung von BERT auch auf weitere Sprachen und somit sicherlich auch auf Deutschland bzw. die DACH-Region. Wann das Update auf weiteren Märkten ausgerollt werden kann, ist jedoch noch unbekannt.

BERT-Facts – Teil 2:

  • BERT basiert auf künstlicher Intelligenz statt auf Keyword-Suche
  • BERTfunktioniert insbesondere für Longtail-Keywords, Keyword-Phrasen und komplexe Fragestellungen
  • Kontext und Intention einer Suchanfrage werden erkannt
  • BERT soll verstehen „um was geht es …“
  • Stoppwörter wie „außer“, „auf“, „ohne“, „für“ etc. werden aus dem Kontext heraus erkannt statt wie bisher ignoriert

Eine Herausforderung dürften für Google z.B. die stark voneinander abweichenden Stoppwörter in den verschiedenen Sprachen sein. Stoppwörter werden mit BERT nicht mehr ignoriert. Sie dienen vielmehr als wesentliche sinntragende Elemente der Erkennung der Suchintention. So hat z.B. das Englische etwa 127 Stoppwörter (https://gist.github.com/sebleier/554280). Das Französische kommt auf 166 Stoppwörter (https://www.ranks.nl/stopwords/french). Die bekannterweise komplizierte deutsche Sprache bringt es gar auf 315 Stoppwörter (https://www.pc-erfahrung.de/nebenrubriken/sonstiges/webdesignwebentwicklung/stoppwortliste.html).

Die Komplexität und Verschiedenartigkeit der internationalen Kommunikation ist nicht nur im Suchmaschinenmarkt eine Herausforderung in sich.

Was bedeutet BERT für die Suchmaschinenoptimierung?

Nach jedem Google Update fragen sich Online Marketing Experten und Websitebetreiber: Welche Auswirkungen hat dieses Update für meine Arbeit? Muss ich sofort Anpassungen vornehmen? Stürze ich im Ranking ab? Wie kann ich gegensteuern?

BERT-Facts – Teil 3:

  • BERT ist spezialisiert auf Voice-Search und Conversational Search
  • 15% aller Suchanfragen sind „neu“ bzw. neu formuliert
  • Website-Betreiber, Informationsanbieter und SEO-Experten sollten daher mehr denn je
    • nicht für den Algorithmus sondern für den User schreiben
    • Verständlichkeit und Problemlösungsangebote in den Vordergrund stellen
    • Fragestellungen in den Content aufnehmen
    • Fragen konkret beantworten
    • Holistischen Content mit echtem Mehrwert erstellen und
    • auf Mobilfreundlichkeit achten.

Fakt ist: Die SEO-Aufgaben verändern sich mit jedem Google Update und die Hauptaufgabe des SEO-Experten besteht darin, stets am Ball zu bleiben und die Entwicklungen nicht nur mitzugehen, sondern idealerweise zu antizipieren. So werden aus den ehemaligen Keyword-Sammlern und Ranking Analysten mehr und mehr Versteher von Kundenbedürfnissen.

Im Falle von BERT sind hektische Betriebsamkeit und voreiliger Aktionismus jedenfalls nicht angeraten. Das Update hat keine Auswirkungen auf den Index und betrifft zunächst nur ca. 10% aller Suchanfragen. Abstrafungen durch Google wie nach dem Google Panda oder Penguin Update sind nicht zu erwarten.

Aber sicherlich kann es nicht schaden, die eigenen Webangebote immer wieder kritisch zu hinterfragen. Denn am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Gut programmierte, schnell ladende Websites mit qualitativ hochwertigem, gut strukturiertem, aktuellem und einzigartigem Content erreichen nicht nur eine hohe Sichtbarkeit, sondern auch eine hohe Kundenzufriedenheit.

Quellen:
https://blog.google/products/search/search-language-understanding-bert